Veronica officinalis
= Ehrenpreis
»Gott gab uns gnad in sonderheyt, wohl dem, ders fruchtbarlich anleyt.«
Als die Römer seinerzeit das von den Germanen besiedelte Land besetzten, lernten sie durch die bodenständige Bevölkerung die bei den Germanen über alles geschätzte Heilpflanze, den Ehrenpreis, kennen. Er trug die Bezeichnung »Grundheil aller Schäden« und wird heute noch im Volksmund »Allerweltsheil« genannt. Auch die Römer mußten sich, wie ich einmal in einem alten Kräuterbuch gelesen habe, von seiner großen Heilkraft überzeugt haben. Wenn sie einem Bekannten oder Freund ein besonderes Kompliment machen wollten, dann meinten sie, er hätte soviele gute Eigenschaften wie die hochgepriesene Veronica officinalis.
An diesen Ausspruch erinnerte ich mich, als mir eines Tages ein Herr von seinem hohen Cholesteringehalt im Blut erzählte. Er wäre bereits mehrmals deswegen im Krankenhaus gelegen. Ich riet ihm zu Ehrenpreistee, zwei Tassen am Tag. Meine Freude war groß, als er mir ein halbes Jahr später erzählte, die Ärzte wären bei einer kürzlich erfolgten Untersuchung erstaunt gewesen, daß sie keinen erhöhten Cholesteringehalt mehr vorfanden. Ehrenpreis, im Volksmund neben Allerweltsheil auch Grundheil, Männertreu, Köhler- und Schlangenkraut genannt, liebt trockenen Boden und wächst in Wäldern, auf abgeholzten Plätzen, bei Hecken, Zäunen, Gebüschen, in Gräben, an Wegen und Waldrändern. Er hat einen behaarten, am Boden kriechenden Stengel mit kleinen, gesägten, silbrig schimmernden Blättern, die in hochstehende, hellblaue bis violette Blütenähren übergehen. Die Blätter fallen bei Berührung leicht ab, deshalb die Bezeichnung »Männertreu«. Blütezeit: Mai bis August. Es werden die Blütenstände gesammelt. Am wirksamsten sind jene, die an Waldrändern und unter Eichen wachsen.
Die uns aus Urväterzeiten überlieferte Heilpflanze ist ein beliebter Zusatz zu Blutreinigungstees und hilft gemeinsam mit frischen Brennesselspitzen chronische Ekzeme auszuheilen. Bei lästigen Altersjucken kann man Ehrenpreis nicht genug empfehlen. Schwache und empfindliche Personen vertragen ihn als gutes Magenmittel von milder Wirkung, das auch die Verdauung anregt. Verschleimungen des Magens sowie Darmstörungen werden ebenfalls behoben.
Besonders möchte ich darauf hinweisen, daß Ehrenpreis gegen Nervosität, die von geistiger Überanstrengung herrührt, eine großartige Heilwirkung auslöst. Eine Tasse abends vor dem Schlafengehen getrunken vollbringt durch seine beruhigende Wirkung wahre Wunder. Der Schweizer Pfarrer Künzle empfiehlt den Menschen, die besonders viel geistige Arbeit verrichten müssen, diesen beruhigenden Tee vor dem Schlafengehen. Er bringt ein gutes Gedächtnis und vertreibt Schwindelgefühle. Mit Selleriewurzel gemischt, behebt er Nervenschwäche sowie Schwermut. Selbst bei Gelbsucht und Harngrieß, rheumatischen und gichtischen Gliederschmerzen wirkt Ehrenpreis hervorragend.
Ein Pfarrer berichtet mir: »Meine starken Gedächtnislücken waren überraschend in 14 Tagen mit Ehrenpreis und Zinnkraut (zu gleichen Teilen gemischt, zwei Tassen am Tag) verschwunden. Mir waren schon während meiner Predigt wichtige Worte entfallen. Ich wurde unsicher und nervös. Die Kräuter haben unglaublich rasch geholfen.«
Bei veraltetem, trockenem Bronchialkatarrh hat Ehrenpreis ebenfalls richtige Wunder vollbracht. Als Brusttee verwendet man eine Mischung von Lungenkraut (im Volksmund »Hänsel und Gretel« genannt), Huflattichblätter, Spitzwegerich und Ehrenpreis zu gleichen Teilen, süßt etwas mit Honig oder brüht die Kräuter mit kochendem Wasser, in dem man Kandiszucker aufgelöst hat, ab.
Bei Gelbsucht, Leber- und Milzleiden empfehle ich folgende Teemischung: 50 g Löwenzahnwurzeln, 25 g Wegwarteblüten, 25 g Waldmeister und 50 g Ehrenpreis. Diese Kräuter gut vermengen. Zwei Tassen ungesüßt während des Tages schluckweise trinken (pro ¼ Liter Wasser ein gehäufter Teelöffel Kräuter).
Aus der blühenden Pflanze kann man auch einen Frischsaft herstellen, der bei chronischen Hautleiden, vor allem bei Ekzemen zu empfehlen ist (Rezept siehe unter Anwendungsarten). Davon wird zwei- bis dreimal am Tag je ein Teelöffel voll genommen.
Da Ehrenpreis in alten Kräuterbüchern auch als Wundkraut angepriesen wird, empfehle ich ihn bei entzündeten und schwer heilenden Wunden, besonders in Schienbeinnähe. Die Wunden werden zuerst mit einem Teeabsud gebadet; später legt man über Nacht Umschläge, die mit einem frisch abgebrühten Tee getränkt wurden, auf die Wunden und hüllt sie warm ein.
Rheuma- und Gichtleidende sollten einmal die wirksame Ehrenpreistinktur, die man sich leicht selbst herstellen kann, versuchen (siehe unter Anwendungsarten). Diese Tinktur wird äußerlich als Einreibung verwendet, innerlich nimmt man dreimal am Tag je 15 Tropfen in etwas Wasser oder Tee.
Trinken sie unbedingt jedes Jahr eine zeitlang Tee aus frisch gepflücktem Ehrenpreis! Er vermindert nicht nur Arterienverkalkung, sondern verhütet sie und gibt dem Körper durch seine blutreinigende Wirkung neue Elastizität. Deshalb meine Bitte: Beherzigen Sie diesen Rat!
| Anwendungsarten | |
|---|---|
| Teebereitung: | 1 gehäufter Teelöffel auf ¼ Liter Wasser, nur brühen, kurz ziehen lassen. |
| Frischsaft: | Die frischen Blütenstände werden gewaschen und im feuchten Zustand durch den Haushaltsentsafter gepreßt, in kleine Flaschen gefüllt und im Kühlschrank aufbewahrt. |
| Tinktur: | Eine gehäufte Doppelhand blühendes, kleingeschnittenes Kraut wird in 1 Liter 38 bis 40%igem Kornbranntwein angesetzt und 14 Tage in die Sonne oder Wärme gestellt. |
| Mischtee: | 1 gehäufter Teelöffel auf ¼ Liter Wasser, nur brühen, kurz ziehen lassen. |
Quelle: »Gesundheit aus der Apotheke Gottes« von Maria Treben.
Elfenbild aus dem Buch »Flower-Fairies im Frühling« von Mary Cicely Barker.
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