Liebe heilt. - Doch was ist Liebe?
verdanke ich Josef, einem guten Bekannten ‚aus einem früheren Leben’,
der sich mal als Besuch ‚über Weihnachten’ bei mir eingeladen hatte.
Und nun stellen Sie sich vor: Ich – damals schicke ‚Karrierefrau’ Ende 30 und auf High Heels - komme mit Josef aus dem Münchner Nachtcafé nach Hause, stehe in den frühen Morgenstunden bei Minusgraden vor meinem Gartentor und versuche vergeblich, es aufzusperren, werde immer ungeduldiger, schimpfe wie ein Rohrspatz, reiße erst am Schlüssel, dann am Tor, versetze ihm (dem Tor) fluchend einen Tritt (Aua!), jaule vor Frust und Frost. Josef nimmt mir sanft den Schlüssel aus der Hand und sagt: „Schau, das muss man mit Liebe machen!“ und streichelt (!) zärtlich erst den Schlüssel und das Schloss. Ich kann mich gerade noch beherrschen, nicht zu explodieren, indem ich mich dran erinnere, dass Wahnsinnige gefährlich werden können und sperre in der nächsten Sekunde Augen und Mund weit auf: Das Gartentor schwingt freundlich quietschend auf, als wolle es sagen: „Hereinspaziert, meine Herrschaften, herzlich willkommen!“ Das war eins der besten Gastgeschenke, die mir jemals jemand mitgebracht hat!
Menschen, die überwiegend ihre kontrollierende linke Gehirnhälfte nutzen und nur an Wissenschaft und die Materie glauben, werden jetzt einwenden, dass Josef lediglich Schlüssel und Schloss durch die Wärme seiner Hand aufgetaut hat, aber das hatte ich auch versucht – eben vergeblich - denn wesentlich ist die ‚geistige Haltung’, die Absicht, die Energie, in der man etwas tut. Mit 'Liebe’ gelingt alles einfach besser!
Zurück zu mir: Eine Schwäche bei sich zu erkennen ist schon mal super, weil man (erst) dann was dran ändern kann, aber irgendwie war es leider öfter nötig, dass der ‚große Geist’ mich und mein Temperament daran erinnert, dass Liebe ‚anders geht’ als ich gerade tue. Und immer wieder gehen mir dann wahre Kronleuchter auf:
Als ich meine Freundin Andrea im schönen Schwarzwald zu einer Malstunde begleitete, überlegte ich, was ich denn in einer Stunde schon viel machen will, während die anderen Wochen und Monate an ihren Werken arbeiteten. Da wurde mein Blick magisch angezogen vom Druck eines Bildes von Fra Angelico: Der Verkündigungs-Engel und Maria. „Das will ich malen!“ hörte ich mich sagen und fand mich mit einem riesigen Blatt Papier und Farben an einer Staffelei wieder. Wie gewohnt, machte ich eine grobe Bleistift-Skizze und als ich gerade begeistert die Details im Rock des Engels auspinselte, kam Iris, die Lehrerin, und wagte es, MICH zu kritisieren! Sie wollte, dass ich erst die ‚groben Züge’ MALE. Pffft! Grobe Züge! Hab’ ich ja noch nie gemacht! Wozu das denn? Sie machte große Bewegungen mit den Armen und murmelte was von ‚Energie erfassen’. „Grrrrr!“ machte es in mir. „Grrrrrrrrrrr! Nochmal anfangen? Blöde … - ups!“ Die gute Iris brachte ein neues Blatt und überreichte es mir liebevoll. („Grrr! Jetzt ist die auch noch so nettttttttt!“) Na gut. Ich ergriff den großen Pinsel und malte schwungvoll gelbe und orange Bögen aufs Papier und dachte dabei: „Wie die sich das vorstellt, da soll man dann andere Farben drübermalen? Warum nicht gleich richtig? Ich mal doch hier nicht in Öl! Das sind zwar Wasserfarben, aber so wenig Zeit wie ich JETZT noch habe, MUSS ich Aquarell-Technik anwenden und da KANN man nicht übereinander malen!“ und mitten im Schwung hielt ich inne und KAPIERTE: Die Flügel eines Engels sind seine Brems-Spuren!
Spätestens jetzt werden Sie mich für total durchgeknallt halten, aber geben Sie mir bitte wenigstens die Chance, diesen blasphemisch scheinenden Spruch zu erklären: Ein Engel ist doch eine geistige Energie. Licht sozusagen. Und Licht ist so schnell, das sieht man nicht. Wenn Sie mir nicht glauben, probieren Sie es aus! Licht sieht man nur, wenn es auf Materie trifft. Materie schwingt – im Gegensatz zu Energie – viel langsamer. Und wenn sich ein Engel für uns Menschen sichtbar machen will, dann muss er sich ent-schleunigen, verlangsamen, materialisieren. Und so ein Engelsflügel ‚beginnt’ ja auch ganz spitz, wird immer breiter, und schließlich – voilà! – steht der Engel da! Wenn das keine ‚Bremsspuren’ sind! Ich finde, Fra Angelico hat das genau erfasst, sich beim Malen in ‚himmlische Energie hineinversetzt’ und drum liebt ‚die ganze Welt’ seine Engels-Bilder. ‚Kein anderer malt so schöne Engel!’ hatte ich über ihn gehört und jetzt SPÜRTE ich es selber, WIE sich diese himmlische Energie verdichtet, damit wir sie wahrnehmen können. Das war das sinn-vollste Bild, das ich je gemalt habe, auch wenn es nie ‚fertig’ wurde.
„Quatsch!“, werden Engels-Kenner nun sagen, „dass Engel Flügel haben, besagt – rein symbolisch - dass sie fliegen können, dass sie sich in den ‚höheren Welten’ bewegen wie ALLE Himmels-Boten (wie z.B. Hermes bzw. Merkur), dass sie zwischen ‚den Göttern’ und ‚den Menschen’ vermitteln!“ Stimmt auch. (Wer heilt, tut übrigens auch genau das – ob er sich dessen bewusst ist oder nicht.) Aber das mit den Brems-Spuren gefällt mir deswegen so gut, weil ich feststelle, dass Liebe darin besteht, dass wir bewusst unsere Schwingung und unsere Geschwindigkeit ändern: Dass wir mit einem anderen Menschen (oder einem Ding wie meinem Gartentor-Schloss) Geduld haben, auch wenn wir glauben, es ‚pressiert’. Oder umgekehrt: Dass wir gleich auf die Bitte eines anderen reagieren und ihn nicht auf ‚später’ vertrösten. Dass wir uns auf jemanden einstimmen, der uns schrecklich unsympathisch erscheint, nur um zu verstehen, dass dieser Mensch gerade sehr unglücklich ist und deshalb eine so unangenehme Ausstrahlung hat. Und in dem Moment haben wir auch die Wahl, uns selbst wieder ‚positiv zu stimmen’ und den anderen ‚mitzunehmen’ in diese gute Energie – so wie ein ‚Wasserwandler’ (z.B. der von Grander) ein durch Leitungen gezwängtes, unnatürlich gemachtes Wasser, wieder an seine Fähigkeit erinnert, wie ein Bach lebendig zu sprudeln. Große HeilerInnen (wie auch heilige Räume und heilige Quellen) haben so ein Energiefeld, dass es genügt, darin zu verweilen, um sich gut zu fühlen und ein Stück heil-er zu werden.
Bereits Georg Philipp Telemann (1681-1767) hat zum Thema Liebe und Einstimmung ein gar köstliches Liedlein komponiert – man stelle es sich zur Laute gesungen vor: „Das Frauenzimmer – verstimmt sich immer – nach Luft (Lust?) und Wind – Schad’ fo-ho-hor die Männer – die keine Kenner – vom Stimmen sind!“ - Stimmt’s?
Wahrnehmung ‚zu spät’, denn es hat schon geklingelt, 750 Kids und 30 LehrerInnen strömen zum Ausgang, ich kämpfe tapfer dagegen an, lande in der Aula und … da steht mein Kind DIREKT VOR MIR und strahlt mich an: „Hallo Mama!“ – Hätte nicht ein ‚himmlischer Chinese’ rechtzeitig für meine ‚Um-Lei-Tung’ gesorgt, hätte ich sie NIE erwischt! Alles klar? Mittlerweile werden Sie sich allerdings fragen: „Wieso regt sich die bloß immer so auf?“ Tja, auch da hätte ich noch eine kleine ‚Kronleuchter-Geschichte’ zum Thema ‚sich selber lieben’:
Ich – diesmal schwer bepackt - auf dem Weg ins Arthur Findlay College, wo ich wieder mal üben will, Kontakt mit Verstorbenen aufzunehmen, um Hinterbliebenen Trost zu spenden und zu beweisen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Ausnahmsweise war kein Flug direkt nach Stansted erhältlich gewesen, sondern nur nach Heathrow. Ich – damals totaler Internet-Neuling und von Natur aus ängstliche Krebslein-Natur – buche bibbernd den Bus von London nach Stansted - extra erst 2 Stunden nach Ankunft, damit ich ihn ja erwische, obwohl der Busbahnhof direkt beim Ausgang sein soll. Und dann das: Noch nie auf all meinen Flügen ist mir das passiert: Das Gepäck braucht 1 Stunde und 50 Minuten bis es auf dem Band erscheint. Noch 10 Minuten bis zur Abfahrt des Busses! Ich wuchte den schweren Koffer durch alle Schranken und über alle Absperrungen, noch 5 Minuten, ich rase zum Busbahnhof, doch der ist völlig menschen- und bus-leer! Schei..Benkleister, der Bus ist weg! Dabei kann ich noch nicht mal Haltestellen identifizieren – ist das überhaupt der Bus-Bahnhof? - und stolpere von einer Säule zur nächsten, nirgends steht ein Ort angeschrieben, ich verzweifle schließlich und schimpfe im Geiste heftigst ‚mit denen da droben’: „Na, Ihr seid mir ja die Richtigen! Ich setze mich für Euch ein, investiere einen Haufen Zeit und Geld, damit ich Eure Botschaften rüberbringen kann und dann lasst Ihr mich so hängen! NIIIIIIE wieder fahre ich ins AFC! Das habt Ihr jetzt davon!“ Mitten im schönsten Grollen kommt ein Uniformierter auf mich zu. Ha! Den schnappe ich mir: „Können Sie mir bitte sagen, wo der Bus nach Stansted fährt?“ (Blöde Frage eigentlich, wo der doch schon weg ist, seit mittlerweile 20 Minuten, aber vielleicht kommt heute ja noch einer, bloß, wo soll ich die Fahrkarte kaufen und was, wenn er schon voll ist …) Der Herr in Uniform lächelt mich ganz lieb an und sagt: „Ich weiß schon, dass ich so aussehe, als ob ich das wissen müsste, aber ich bin leider vom Militär und habe keine Ahnung!“ Während ich noch überlege, ob er wenigstens stark genug ist, mich in der ersten Ohnmacht meines Lebens aufzufangen, höre ich direkt HINTER mir eine zweite männliche Stimme: „Der fährt hier, aber der hat Verspätung. Ach nee, da kommt er gerade!“ Wie vom Donner gerührt drehe ich mich um und starre dem Bus entgegen. - Und was meinen Sie, mit welchen Worten die Kursleiterin uns alle im AFC begrüßt? „In diesem Kurs geht es um Vertrauen!“ In dem Augenblick – ich schwöre! – höre ich alle Englein im Himmel laut kichern! „Gottvertrauen“ denke ich. „Ja. Haha. Jetzt haben ‚die’ MIR’s aber gezeigt!“ … doch gleichzeitig fühle ich mich ‚vom Himmel sehr geliebt’!
Das ist also die Belohnung, wenn man seine sinnlichen und übersinnlichen WAHRnehmungsfähigkeiten geschult und EINgeschaltet hat und wenn man bereit ist, Liebe fließen zu lassen.
Seither frage ich mich übrigens immer, wenn ich mich bei Hektik ertappe: „Wie lange willst Du noch leben? MUSST Du ‚alles’ heute noch erledigen?“ Und die Antwort ist gleichbleibend: „Noch viiiiel länger und darum nehme ich mir jetzt auch die Zeit dafür!“ und summe das schöne Wiener Lied: "Mir ham in Wien need gern an Termin. Dees muaß uns der Neid lassn, dass mir uns gern Zeit lassen!" Ja, und das finde ich dann wirklich äußerst heilsam und gesund!
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